INTERVIEW MIT GESCHÄFTSFÜHRER
UWE GROTE

 

»Die Abenteuerlust soll lebendig bleiben«
Interview mit Uwe Grote, Geschäftsführer bei RSL

RSL gibt erstmals ein Kundenmagazin heraus. Das hat es in der 56-jährigen Geschichte des Unternehmens nie zuvor gegeben. Warum jetzt?
Uwe Grote: Das Magazin ist ein Teil unseres neuen Markenauftritts. Gemeinsam mit grossgestalten haben wir uns einer Selbstanalyse unterzogen um unsere Markenidentität zu definieren. Unser neues Corporate Design spiegelt diese Identität nachvollziehbar wider. Wir haben unser gesamtes Erscheinungsbild, unseren medialen Gestaltungsansatz und auch unsere Kommunikationsinhalte sehr konsequent darauf zugeschnitten. Das Magazin soll diese Neuaufstellung transferieren. RSL hat es ja leider in den vergangenen Jahren völlig verpasst, sein Know How über Medien zu kommunizieren. Alles lief über Mund-zu-Mund Propaganda.

Empfehlende Kunden sind doch das Beste, was ein Unternehmen haben kann. Und das hat bestimmt auch zu dem Erfolg beigetragen. Warum reicht Ihnen das nicht mehr?
Uwe Grote: Von persönlichen Empfehlungen werden wir auch in Zukunft leben und ich möchte mich im Namen von RSL einmal ganz herzlich bei den vielen renommierten Lichtplanern und Architekten bedanken, die wir in tollen, oft auch sehr herausfordernden Projekten begleiten durften und dürfen. Die uns auch immer wieder neue Türen geöffnet haben, weil sie ihre Zufriedenheit im Markt kommuniziert haben. Das ist wirklich das Beste, was sich ein Unternehmen wünschen kann. Nun möchten wir unsere Botschaft aber auch zu weiteren Büros tragen, bei denen RSL noch nicht bekannt und etabliert ist Insbesondere sind hier auch junge Partner im Fokus. Und wir möchten unseren Bekanntheitsgrad auf dem internationalen Parkett erhöhen. Dazu brauchen wir Medien, die über die verbale Kommunikation herausgehen. Erzählen kann ja jeder etwas. Zur Glaubhaftigkeit braucht es aber auch Visualisierungen. In dem Magazin können sich die Leser aus der Kombination von Abbildung und Text buchstäblich selbst ein Bild machen. Und sie können auch die Inspiration, den Spaß an der Arbeit, die Komplexität der Prozesse, die Einschränkung durch vermeintliche Grenzen und die Befreiung durch Grenzüberschreitungen nachvollziehen.

Wie lautet denn Ihre Kern-Botschaft an die junge Generation?
Uwe Grote: Etwas flapsig würde ich sagen: Nichts ist unmöglich. Wir stellen uns wirklich jeder Aufgabe, groß oder klein, auch wenn sie noch so verrückt erscheint. Das meine ich natürlich positiv, im Sinne von absolut unkonventionell. Wir haben dieses Urvertrauen, dass wir sehr viel können. Ich möchte sogar sagen, wir können mehr als die meisten. Das ist keine Arroganz, sondern gelebte Erfahrung. Und deshalb machen uns große Herausforderungen keine Angst.

Was dürfen Ihre Partner noch im Zuge des neuen Markenauftritts erwarten?
Uwe Grote: Für Planer werden wir mittelfristig regionale Workshops anbieten. Wir werden mit Hochschulen kooperieren, Workshops mit Studenten durchführen; vielleicht unter der Moderation bekannter Lichtplaner oder Architekten. Das stelle ich mir ausgesprochen spannend vor. Da kommen bestimmt ganz überraschende Ideen zustande.

Das Außergewöhnliche scheint Sie zu faszinieren.

Uwe Grote: Ja, absolut. Außergewöhnlich bedeutet ja, eine völlig ungewöhnliche Position einzunehmen, außerhalb jeden Standards. Das muss man sich erst einmal trauen. Aus dem Experimentellen können wunderbare Innovationen entstehen, die einen neuen Schwung in zukünftige Beleuchtungsszenarien bringen. Wenn ich mir junge Architekten anschaue, bin ich immer wieder fasziniert, welche Ideen zutage kommen. Es gibt noch so unendlich viel Potential. Das hält dann auch meine Mannschaft hier bei RSL fit. Unsere Leute leben dafür, dass sie immer wieder etwas völlig Neues erschaffen können. Und ich selbst werde alles dafür tun, dass diese Spannung, ich möchte fast sagen Abenteuerlust, hier im Unternehmen lebendig bleibt..

Sie sind erst seit September Geschäftsführer bei RSL. Was hat Sie gereizt aus einem Konzern zu RSL zu wechseln?

Uwe Grote: Ich hatte Entzugserscheinungen, weil ich länger keine Berührung mehr zum Sonderleuchtenbau hatte. Ich bin gelernter Werkzeugmacher, habe dann eine Technikerausbildung absolviert und in dem Unternehmen, in dem ich seit der Lehre 27 Jahre gearbeitet habe, neun Jahre lang den Bereich Sonderleuchtenkonstruktion geleitet. Vor zwei Jahren wechselte ich in werksübergreifender Führungsposition in die Konzernzentrale. Das war eine spannende Zeit, in der ich wieder viel gelernt habe. Aber die Sonderkonstruktion und die Kommunikation mit Marktpartnern  finde ich noch sehr viel spannender.

Dann kennen Sie das Metier ja bestens. In der Arbeitsweise gibt es aber doch bestimmt Unterschiede.
Uwe Grote: Ja, das stimmt. Einer- und Zweierstückzahlen, die hier das Tagesgeschäft bestimmen, konnten wir im Konzern nicht bedienen. Große Strukturen lassen soviel Flexibilität gar nicht zu. Deshalb passiert es bei großen Unternehmen immer wieder, dass sie den Planer mit seiner tollen Idee zurück auf standardisierte Bahnen lenken wollen. Sie können Individualität in einem solchen Maße gar nicht bieten. Was den Reiz bei RSL ausmacht, ist aber gerade diese Individualisierung, die an eine spannende Prozesshaftigkeit gekoppelt ist. Hier wird immer wieder ganz von vorne begonnen. Ein Planer kommt mit einer bloßen Idee, die wir gemeinsam ausarbeiten, budgetieren, und schließlich konstruieren. Am Ende sieht man im Projekt eine einmalige Beleuchtungslösung, an der man mitgewirkt hat. Das macht mir Spaß.

Sie sprechen häufig von Einmaligkeit oder Individualität. In Ihrem angekündigten Katalog werden aber Standardleuchten abgebildet. Was ist daran individuell?
Uwe Grote: All unsere sogenannten Standardleuchten sind ursprünglich Sonderleuchten, die wir mit dem Ziel entwickelt und konstruiert haben, einem Planer seinen individuellen Wunsch in einem Projekt zu erfüllen. Keine der Leuchten ist mit der Zielsetzung einer Serienproduktion entwickelt worden. Nehmen Sie zum Beispiel unsere Downlights. Wir waren das erste Unternehmen in Deutschland, das Downlights entwickelt hat, weil einer unserer Partner eine Allgemeinbeleuchtung realisieren wollte, bei der sich die Leuchten vollkommen zurücknehmen. Ein solches Lichtinstrument hatte es damals im Markt nicht gegeben. Nach der Realisierung wollten andere Planer auch solche Leuchten einsetzen, und so haben wir sie als Standardrepertoire angeboten. Dann folgten weitere Produkte. Es gibt zum Beispiel ein Profil, das viele andere Unternehmen auch in hoher Perfektion anbieten. Man kann die Länge und die Einbauhöhe flexibel an die tatsächliche bauliche Situation anpassen. RSL ist aber der einzige, der solch ein Profil zu einem Kreis biegen kann. Damit haben wir Individualität im Standard.

Welche Stärke muss ein Unternehmen haben, um kompromisslos individuelle Wunscherfüllung leisten zu können?
Uwe Grote: Das Wichtigste ist richtiges Zuhören. Und die entscheidenden Fragen an der richtigen Stelle zu stellen. Nur so kann man nachvollziehen und letztlich begreifen, was der Planungspartner wirklich haben möchte. Diese Gabe ist heute nicht mehr allzu sehr verbreitet. Bei RSL wird sie noch gelebt.

Wird an Sie schon häufig der Wunsch nach LED-Lösungen herangetragen?
Uwe Grote: Zusehends. Als Sonderleuchten-Hersteller sind wir ja geradezu prädestiniert Leuchten zu entwickeln, die die Vorteile des Mediums voll ausschöpfen. Es kann doch nicht darum gehen, Leuchten konventioneller Bauweise mit LED zu bestücken und dies womöglich als Innovation zu preisen. Das geht am Thema vorbei. Mit ihrer kleinen Bauform bietet LED die Chance sich wieder einmal zu Grenzen vorzutasten und ein kalkuliertes Risiko einzugehen. Das werden wir ganz sicher tun.

Die kleine Bauform, die sich vollkommen zurücknimmt, wird die Vertreter des angesagten Minimalismus erfreuen. Gibt es noch Planer, die bei RSL dekorative Leuchten-Ikonen beauftragen? Das war ja in der frühen Unternehmenshistorie eine ganz wichtige Sparte.
Uwe Grote: Solche Projekte bedienen wir unter anderem im arabischen und asiatischen Raum, demnächst wohl auch in Brasilien. In den Wachstumsländern, wo derzeit sehr viel und sehr hochwertig gebaut wird, finden sich parallel die unterschiedlichsten Stile. Natürlich beweisen wir unser Können nach wie vor auch gerne im dekorativen Prestigebereich.

Herr Grote, ich wünsche Ihnen, dass alle Ihre Wünsche bei RSL in Erfüllung gehen und bedanke mich für das Gespräch.

Das Interview führte Petra Lasar.